2020-02-18

Die Bitten Gottes auf dem Herzen haben (1. Joh 5,14.15)

„Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten, er uns hört. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, um was irgend wir bitten, so wissen wir, dass wir die Bitten haben, die wir von ihm erbeten haben“ (1.Joh 5,14.15).

Amy Carmichael hat 1.Johannes 5,14.15 ganz praktisch auf ihr Leben angewandt und erlebt, was es bedeutet die Bitte, die von Gott kommen auf dem Herzen zu haben und dann auch Gebetserhörung zu erfahren. Folgende Geschichte macht das deutlich:

Amy plante Hirosi, ein großes buddhistisches Dorf zu besuchen, in dem nur acht oder neu Christen leuchteten "wie Sterne in der Nacht". Doch sie wollte sich darauf vorbereiten, indem sie gemäß dem betete, was Gott dort tun wollte. Wenn sie sich dessen sicher sein würde, könnte sie mit Glauben beten.

Jahre später entdeckte sie, dass Julian von Norwich eine ähnliche Ansicht über das Gebet gehabt hatte: „Ich bin die Grundlage deines Flehens: Erstens ist es mein Wille, dass du es haben sollst; anschließend gebe ich den Wunsch in dein Herz; und schließlich bringe ich dich dazu, es zu erflehen, und du erflehst es. Wie könnte es dann sein, dass dein Flehen nicht erhört würde?”

Während sie betete, fühlte sie sich „im Geist genötigt”, um eine Seele zu bitten, eine einzige Seele. Am nächsten Tag ging sie mit Misaki San nach Hirosi, und ein junger Seidenweber „kreuzte ihren Weg”. Er wurde noch am selben Abend Christ. Einen Monat später gingen sie erneut. Diesmal betete sie um zwei Seelen. Der Seidenweber brachte einen Freund mit, der „Frieden fand”, und auch eine alte Frau bekehrte sich.

Zwei Wochen vergingen. Wieder gingen sie los, wieder fragten sie Gott, was Er tun wolle, und die Antwort war, dass vier Seelen ihren Weg kreuzen würden. Zu diesem Zeitpunkt hatten andere Missionare in Matsuye in das Gebet mit eingestimmt. Einer der Männer fühlte, dass es etwas viel sein würde, um vier Seelen zu bitten, war jedoch damit einverstanden, für zwei zu beten.

Als die Frauen ankamen, erschienen die Dinge alles andere als ermutigend. Die Christen in Hirosi scheuten sich davor, um vier Seelen zu bitten. Niemand in der Stadt schien auch nur das geringstes Interesse zu zeigen. Der Teufel schoß seine üblichen Pfeile des Zweifels ab: „Du kannst nicht jedes Mal Bekehrungen erwarten. Das ist ziemlich anmaßend. Finde dich damit ab, mit leeren Händen nach Matsuye zurückzukehren! Usw.”

Die Angelegenheit wurde umso schwieriger, weil von Amy verlangt wurde, dass sie nicht darauf bestehen sollte, dass es angebracht ist, dass Neubekehrte ihre Götzen verbrennen. Unmöglich durfte bekannt werden, dass Christen dies tun mussten - es würde alle fragenden Seelen zurückschrecken. Amy blieb hartnäckig und sah sich dem gegenüber, was sie „die Golgatha-Seite des Werkes nannte; etwas, das allein mit dem Christus von Golgatha durchgestanden werden konnte”.

Die Gläubigen luden Amy zu Gebetstreffen ein und baten den Herrn, ihr die Augen zu öffnen und ihr die Torheit kundzutun, japanische Gepflogenheiten zu übertreten. Dann baten sie sie, die Götzen nicht mehr zu erwähnen.

Doch die Wahrheit war ihr wertvoller als Erfolg. „Ich konnte nicht eine Seele erkaufen, wenn ich dafür die Wahrheit opferte. Die Tatsache, dass viele sich abkehren könnten, konnte nicht beweisen, dass dieser Kurs falsch war, denn in Johannes 6,66 lesen wir: “Von da an [nämlich der „harten Rede”] gingen viele seiner Jünger zurück und wandelten nicht mehr mit ihm.” Der Knecht ist nicht größer als sein Herr.

In der Evangelisationsversammlung an diesem Nachmittag schauten die Menschen sie an, lächelten, und fühlten nichts. Es fühlte sich an wie ein Gefängnis voll spottender Geister.

Amy war gerade dabei, einen Abschluss zu machen, als eine Frau sagte: „Ich will glauben.” Dann kam ihr Sohn und kniete nieder. Auf dem Rückweg von der Versammlung hielt Amy am Haus von Christen an, die einen Freund bei sich hatten, der darauf wartete, sie nach dem Weg des Heils zu fragen. Dieser Freund war Nummer drei. Wo war Nummer vier? „Nun”, sagte ein Mann, „es muss meine Frau sein. Sie möchte zu Jesus gehören, aber sie ist auswärts in ihrem Heimatdorf.” Früh am nächsten Morgen kam sie zurück und bekannte vor ihren Angehörigen ihren Wunsch, ein Christ zu werden.

Vier Wochen später spürte Amy einen unwiderstehlichen göttlichen Druck, nach 1. Johannes 5,14.15 zu bitten: „Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten, er uns hört. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, um was irgend wir bitten, so wissen wir, dass wir die Bitten haben, die wir von ihm erbeten haben.” Was war dieses Mal die Bitte? Acht Seelen in Hirosi.

Wieder kam es zu Widerstand seitens der Christen dort. Um etwas zu bitten, was sie nicht empfangen würden, würde „ein sehr schlechtes Ereignis” sein. Amy hatte keine Zweifel, dass Gott die acht Seelen geben würde, und bot an, länger zu bleiben, um Ihm Zeit zu geben. Nein, sie konnten unmöglich weitere Veranstaltungen organisieren. So las Amy, die nicht daran dachte, aufzugeben, Gebetsverheißungen.

Der gute alte Unterhirte hatte mit Amy über jede aufkommende Angelegenheit gestritten, während seine ganze Seele gegen ihre kategorischen Imperative protestierte. Diesmal sah er ein, dass Widerstand vergeblich sein würde. Langsam erhob er sich, und sprach ebenso langsam: „Du bist eine, die mit Jesus wandelt; wenn Seine Stimme zu dir spricht, auch wenn sie nicht zu uns spricht, werden wir glauben.” Ihr Vertrauen in Amy, das vermutlich größer war als das in Gott, wurde belohnt. In Seiner Gnade (Er kennt das Maß des Glaubens, das Er jedem zugemessen hat) erleuchteten nun acht weitere Sterne den Himmel Hirosis.

Später in Indien, als eine große Entscheidungsverantwortung auf ihr lag, erinnerte sich Amy an die Worte des Unterhirten und wurde in ihrer Entschlossenheit gestärkt, als indische Mitarbeiter ihr Urteilsvermögen in Frage stellten.

Was war mit dem nächsten Besuch? Sechzehn? Nein. Es wurde keine Zahl auf Amys Herz gelegt. Sie gingen nach Hirosi und hielten die üblichen Versammlungen ab, sie beteten gemeinsam mit all den Christen dort. Einige kamen zu Jesus, doch Amy wusste nicht, wie viele es waren. 


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