2021-11-01

Nachgedacht – Wie Jesus eine zusammengekrümmte Frau heilt

Ein Samstag in Israel. Es ist Sabbat. Eine Frau geht in die Synagoge. Sie ist eine „Tochter Abrahams“, eine gläubige Frau (Gal.3,7) und sicher kommt sie regelmäßig hierher. Auch wenn der Gang in die Synagoge für sie nicht leicht war. Seit 18 Jahren plagte sie ein Geist der Schwäche. Sie war zusammengekrümmt und absolut unfähig, sich aufzurichten. Immerzu sah sie nach unten, sah den Boden vor ihren Füßen, sah sich selbst. Zweifellos hatte das Wort aus Psalm 38,7 für sie eine besondere Bedeutung: „Ich bin gekrümmt, über die Maßen gebeugt“. Der Teufel hatte sie gebunden. Doch dieser Tag würde alles in ihrem Leben verändern. Heute würde sie eine Begegnung haben. Eine Begegnung mit dem Mann, der von sich gesagt hatte, dass Er gesandt war, Gefangene zu befreien (Lk.4,18).

Jesus Christus ist an diesem Tag ebenfalls in der Synagoge! Er predigt, so wie Er das immer getan hat. Dann fällt Sein Blick auf diese Frau. Ich liebe diesen Ausdruck in der Bibel: „Als aber Jesus sie sah“. Andere mochten sie kaum beachten, diese gebeugte und zusammengekrümmte Frau. Der Herr aber sieht sie! Er sieht ihr Bedürfnis nach Befreiung. Das Bedürfnis aufgerichtet zu werden. Aufzuschauen, die Blickrichtung dauerhaft geändert zu haben.

Dann ruft Er sie. Alle Augen richten sich auf diese Frau. Sie geht zu Ihm. Vielleicht etwas unsicher oder unangenehm berührt steht sie vor Ihm - im Mittelpunkt des Geschehens. Vor all den Menschen. Wieder spricht Er sie an. „Frau, du bist befreit von deiner Schwäche!“ Dann berührt Er sie, legt ihr die Hände auf. Sofort richtet sie sich auf. Was für ein Erlebnis! 18 Jahre gebeugt und gekrümmt. Jetzt steht sie gerade vor Jesus. Sie kann Ihm in die Augen sehen, sieht ihren Befreier. Kein Wunder, dass sie sofort beginnt, Gott zu loben! Sie ist frei!

Auch für die Anwesenden ist dies hier ein bewegendes Ereignis. Während die Gegner des Herrn beschämt werden, freut sich die ganze Menschenmenge über all die herrlichen Dinge, die durch Ihn geschahen! Er ist wirklich herrlich!

Mich erinnert diese Frau an Römer 7. Dort gibt es einen gläubigen Menschen, der verzweifelt versucht, ein Leben zu leben, das Gott gefällt (Röm.7,14-25). Mit eigener Kraft quält er sich ab. Immerzu blickt er nach unten, auf sich selbst und seine Leistung. Dabei wird er immer unglücklicher. Er will Gott gefallen, aber er kann es nicht. Immer wieder tut er böse Dinge. Das quält ihn! Er erkennt, dass in seinem „Fleisch nichts Gutes wohnt“ (Vers 18) und muss am Ende sagen: „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?“ (Vers 24).

An diesem Punkt kommt die Wende. Völlig mit sich selbst am Ende, kommt der Blick auf den Heiland. „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ Und dann dieses wunderbare Wort von Paulus in Kapitel 8: „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“

Vielleicht bist du in einer ähnlichen Situation. Ja, du hast dich einmal bekehrt, aber du gehst gebeugt und gekrümmt durchs Leben. Du bist unglücklich, weil du versuchst, Gott zu gefallen (und du willst es wirklich!) und siehst immerzu dein Versagen, blickst immerzu, wie diese Frau auf deine Füße und die Wege, die sie gehen. Dann darf diese Geschichte dir Mut machen! Blicke auf! Weg von dir selbst auf deinen Retter. Er hat dich befreit! Du bist in Christus! Wenn Gott dich sieht, sieht Er Seinen Sohn! Du lebst nicht mehr, sondern Christus lebt in dir (Gal.2,20)! Er hat dich freigemacht das zu tun, was Gott gefällt. Aber nicht in eigner Kraft, sondern durch die Kraft des Heiligen Geistes. Sich selbst loslassen und Ihn wirken lassen - das ist das Geheimnis christlichen Lebens. Blicke auf! Weg von dir selbst auf deinen Retter.

Unsere Ruhe kommt nicht daher, dass wir das sind, was Er von uns erwartet, sondern davon, dass Er ist, was wir brauchen.“ JND

A.S.


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