Schwachheit wirft uns in die Arme Gottes
„Er gibt dem Müden Kraft und dem Unvermögenden reicht er Stärke dar in Fülle.“ (Jes 40,29)
William Carey, oft der „Vater der modernen Weltmission“ genannt, war kein großer Gelehrter. Kein berühmter Redner. Kein Mann mit glänzender Ausbildung.
Im Gegenteil: Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und musste die Schule bereits nach der vierten oder fünften Klasse verlassen, um als Schuster Geld zu verdienen.
Doch Carey ließ sich von seiner Schwachheit nicht aufhalten. Er brachte sich selbst Sprachen bei und ging schließlich nach Indien. Dort wirkte er entscheidend an der Übersetzung der Bibel in über vierzig Sprachen und Dialekte mit - eine Arbeit, die bis heute Frucht trägt. Immer wieder betonte er: Nicht er sei stark, sondern Gott habe ihn trotz seiner Begrenzungen gebraucht. Sinngemäß sagte er: Wenn Gott einen einfachen Schuster wie mich gebrauchen kann, dann kann er jeden gebrauchen.
Ein echtes Bewusstsein der eigenen Schwachheit befreit uns vom Selbstvertrauen. Und es wirft uns in die Arme des allmächtigen Gottes. Gerade dann, wenn wir unsere Schwachheit und Hilflosigkeit spüren, begreifen wir, dass wir Gottes Hilfe brauchen. Dann erkennen wir neu, wie abhängig wir von Ihm sind. Und das treibt uns ins Gebet.
Genau das zeigt uns Gott schon an der ersten Stelle der Bibel, an der das Gebet erwähnt wird - in 1. Mose 4 gibt Seth seinem Sohn den Namen Enos. Und Enos bedeutet: schwacher oder hinfälliger Mensch. Direkt danach heißt es: „Damals fing man an, den Namen des Herrn anzurufen" (1. Mo 4,26).
Das heißt: Im Bewusstsein ihrer Schwachheit klammerten sich die Menschen im Gebet an Gott. Denn bei Gott finden wir Kraft. Wie David in Psalm 138 sagt: „An dem Tag, als ich rief, antwortetest du mir; du hast mich ermutigt: In meiner Seele war Kraft“ (Ps 138,3).
Ein beeindruckendes Beispiel dafür finden wir auch in Davids Leben. Er ist am Nullpunkt angekommen. Aus Angst vor Saul schlägt er sich auf die Seite der Feinde Israels. Dort gerät er in Verruf. Dann werden seine beiden Frauen entführt. Und die Männer, die noch bei ihm sind, überlegen, ob sie David steinigen sollen.
Genau in dieser Lage heißt es: „Aber David stärkte sich in dem HERRN, seinem Gott“ (1. Sam 30,6).
Am Punkt äußerster Schwachheit stärkt David sich in Gott. Er sucht Zuflucht bei Ihm. Er wirft sich im Gebet auf den Herrn. Und von diesem Augenblick an endet seine lange Talfahrt. Von da an geht es Schritt für Schritt bergauf - bis er schließlich in Hebron zum König gekrönt wird.
Vielleicht bist du selbst gerade in so einem Tal. Enttäuscht. Niedergeschlagen. Schwach. Hilflos.
Dann klammere dich im Glauben an diese Zusage: „Gott ist uns Zuflucht und Stärke, eine Hilfe, reichlich gefunden in Drangsalen.“ (Ps 46,2)
Gott wird dir helfen. Er wird dich stärken, wenn du Zuflucht bei Ihm suchst. Wenn du deine Sorgen auf Ihn wirfst. Er verspricht uns, dass wir am Thron der Gnade Barmherzigkeit empfangen und dass wir Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.
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