2023-01-02

Gott bleibt immer derselbe

„Nein, ich, der HERR, ich habe mich nicht geändert...“ (Mal 3,6)

Gott ist unveränderlich. Er ändert weder Sein Wesen, noch seine Eigenschaften oder Seine Absichten. Er ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.

In Psalm 102,24 betet der Messias am Kreuz: „Mein Gott, nimm mich nicht hinweg in der Hälfte meiner Tage!“ Gott antwortet darauf:

„Von Geschlecht zu Geschlecht sind deine Jahre. Du hast vormals die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden untergehen, du aber bleibst; und sie alle werden veralten wie ein Kleid; wie ein Gewand wirst du sie verwandeln, und sie werden verwandelt werden; du aber bist derselbe, und deine Jahre enden nicht.“ (Ps 102,24-27).

Diese Worte, „Du bist derselbe,“ beschreiben die Unveränder­lichkeit des Herrn. Die Schöpfung wird verändert werden, aber Er kennt keine Veränderung.

Ein weiterer Vers, der von Gottes Unveränderlichkeit spricht, ist Jakobus 1,17: „... von dem Vater der Lichter, bei dem keine Ver­änderung ist noch eines Wechsels Schatten.“

Aus der englischen Übersetzung von J. N. Darby geht hervor, dass der Name „The Same“ (Derselbe) in Jesaja 37,16 auch als Name für Gott betrachtet werden kann: „Thou, the Same, thou alone art the God of all the kingdoms of the earth“ (Du, Dersel­be, du allein bist der Gott aller Königreiche der Erde). Diese Bezeichnung für Gott findet sich auch an anderen Stellen im AT, so zum Beispiel in Jesaja 41,4; 5. Mose 32,39; 2. Samuel 7,28 und Nehemia 9,6. Vergleiche auch die Fußnoten zu 5. Mose 32,39 in der engl. JND-Übersetzung und in der unrevidierten Elberfel­der Übersetzung.

Aber während es wahr ist, dass Gott sich in Seinem Wesen nicht verändert, benutzt Er doch verschiedene Methoden. In der Ge­schichte der Menschheit hat Er sie unter verschiedenen Bedin­gungen geprüft: im Zeitalter der Unschuld, des Gewissens, der Verheißung, unter Gesetz und unter Gnade. In den verschiede­nen Zeitaltern hat Er die Sündhaftigkeit und die Verantwortung des Menschen geprüft, obwohl der Weg der Errettung immer derselbe war, nämlich aus Gnade durch den Glauben. Aber das beeinträchtigt Seine Unwandelbarkeit überhaupt nicht.

Auch die Tatsache, dass von Gott gesagt wird, Er bereue etwas oder es reue Ihn, schmälert Seine Unwandelbarkeit nicht. Hier kommen wir zu einem Punkt, der widersprüchlich erscheint. Ei­nerseits lesen wir: „Nicht ein Mensch ist Gott, dass Er lüge, noch der Sohn eines Menschen, dass Er bereue“ (4. Mo 23,19); und in 1. Samuel 15,29: „Auch lügt der nicht, der Israels Ruhm ist, und es gereut ihn nicht.“ Und doch steht geschrieben: „Und es reute den HERRN, dass Er den Menschen auf der Erde gemacht hatte“ (1. Mo 6,6) und „Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe“ (1. Sam 15,11). Wie kann Gott unveränderlich sein, wenn Er etwas bereut oder Ihm etwas leid tut? Die Antwort ist ganz einfach. Seinem Wesen entsprechend muss Er Gehorsam beloh­nen und Ungehorsam bestrafen. Solange Seine Geschöpfe Ihm gehorchen, segnet Er sie. Aber wenn sie in ein Leben der Sünde fallen, hat Er keine andere Wahl, als sie zu bestrafen. Deshalb bedeutet Gottes Reue, dass Seine Absichten und Pläne sich denen gegenüber ändern, deren Charakter und Verhalten sich geändert hat. Von unserem Standpunkt aus sieht es wie Reue aus. Deshalb können wir solche Ausdrücke als die „Beschreibung aus mensch­licher Sicht“ bezeichnen. Es bedeutet gewiss nicht, dass Gott plötz­lich von der Veränderung des Menschen überrascht wurde, oder Er nun aus Bedauern, Rache oder Zorn handelt. Was aus mensch­licher Sicht wie Reue aussieht, ist notwendig, da Gott in Über­einstimmung mit Seinem Charakter handeln muß.

Wir dürfen die Unwandelbarkeit Gottes nicht als bloßen Lehr­satz ansehen. Diese Wahrheit sollte unseren Seelen unermessli­chen Trost spenden. Wir leben in einer Welt voller Veränderung und Verfall. Es ist wunderbar, einen Gott zu haben, der unverän­derlich ist. Wir selbst verändern uns täglich, aber wir können zu Einem aufsehen, der immer derselbe ist. Wir können uns auf Sei­ne Unwandelbarkeit und Treue in allem Handeln mit uns verlas­sen.

Auch wenn die Unveränderlichkeit ein einzigartiger Wesenszug Gottes ist, sollten wir doch Seine Nachahmer sein in dem Aus­maß, wie es Gläubigen möglich ist. Mit anderen Worten sollen wir nicht unbeständig, wankelmütig oder launenhaft sein. Wir sollen nicht an einem Tag Dr. Jekyll und am nächsten Mr. Hyde sein. Wir sollen nicht freundlich und barmherzig Fremden ge­genüber sein und Zuhause ungehobelt und unausstehlich! Wir sollen nicht nur gewillt sein, uns zu verändern, wo Verbesserung oder Fortschritt angesagt sind, sondern eifrig danach streben. Andererseits sollten wir uns nicht verändern, wenn es darum geht, für die Wahrheit einzustehen.

Das beliebte Lied „Abide with Me“ von Henry F. Lyte stellt Got­tes Unwandelbarkeit der Veränderlichkeit von allem anderen ge­genüber:

Schnell verebbt des Lebens kleines bisschen Glück,

Erdenfreuden schwinden, Leere bleibt zurück.

Wechsel und Vergehen, ständig ringsumher,

doch du bleibst derselbe, wechselst nimmermehr.

W.D.


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