2024-03-17

Zwischen Verzweiflung und Anmaßung

»Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet sei; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, indem ich auch von Christus Jesus ergriffen bin« (Phil 3,12)

Falsche Erwartungen können eine gute Beziehung in eine schlechte verwandeln. Jesus sagte: »Wer irgend aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit« (Joh 4,14).

Man könnte nun voller Euphorie den voreiligen Schluss ziehen, dass alle Bedürfnisse desjenigen, der einmal zu Jesus gekommen ist, sofort und auf der Stelle gestillt werden. Keine Unzufriedenheit mehr.

Aber beachten Sie die folgenden biblischen Hinweise darauf, dass wir im umfassenden Sinn volle Genüge auf Erden noch nicht erlangen werden und dass dieses Bewusstsein sehr wohl zu unserer christlichen Erfahrung gehört.

  • »Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet sei; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, indem ich auch von Christus Jesus ergriffen bin« (Phil 3,12).
  • »Weint mit den Weinenden« (Röm 12,15).
  • »Gott aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien?« (Lk 18,7).
  • »Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?« (Röm 7,24).
  • »Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns ... Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns« (1. Joh 1,8.10).
  • »auch wir selbst, die wir die Erstlinge des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst, erwartend die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes« (Röm 8,23).

Wenn wir jemanden einladen, zu Christus zu kommen - zur Quelle des lebendigen Wassers -, dann bieten wir ohne jeden Zweifel volle Genüge an. Bei Christus ist volle Genüge zu finden - Genüge, die unergründlich ist und Bestand hat.

Wir werden sogar aufgefordert, dafür zu beten, dass wir in unserer Erfahrung mit Gott volle Genüge finden. »Sättige uns früh mit deiner Güte, so werden wir jubeln und uns freuen in allen unseren Tagen« (Ps 90,14; Hervorhebung durch den Verfasser). Aber man isst nicht alles auf einmal.

Ja, es stimmt, Christus bietet volle Genüge an, wobei wir einen großen Teil davon schon jetzt als Hoffende sowie aus der Vergebung Lebende und als diejenigen in Anspruch nehmen können, die befähigt werden, immer mehr zu lieben.

Aber im umfassenden Sinn erlangen wir volle Genüge erst in der Zukunft, wenn wir in einer vollkommenen Welt vollkommen gemacht sein werden. Dann wird alle Enttäuschung vorbei sein - ganz gleich, ob es um uns oder die Umstände geht.

Wir müssen lernen, den schmalen Pfad zwischen Verzweiflung und Anmaßung zu gehen. Auf der einen Seite liegt der Abgrund hoffnungsloser Lähmung und auf der anderen der Abgrund einer verfrühten Siegerpose und eines unangemessenen Überlegenheitsgefühls. »Wer das Schwert umgürtet, rühme sich nicht wie einer, der es wieder ablegt!« (1Kö 20,11; RELB).

Dazwischen liegt ein demütiges, kraftvolles, freudiges, immer bußfertiges Vertrauen auf die Kraft und Verheißung der Gnade.

J.P.


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