Rechnest du mit Gottes Antwort?
„Auf meine Warte will ich treten und auf den Turm mich stellen und will spähen, um zu sehen, was er mit mir reden wird“ (Hab 2,1).
Habkuk ist ein Prophet, der den Mut hat, Gott kritische Fragen zu stellen. Er fragt: „Wie lange, HERR, habe ich gerufen, und du hörst nicht! … Warum lässt du mich Unheil sehen und schaust Mühsal an? … Warum schaust du Räubern zu, schweigst, wenn der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er …?“ (Hab 1,2.3.13)
Der Prophet kämpft mit der Frage, wie es sein kann, dass Böses im Moment ungestraft bleibt. Er fragt, warum Gott es erlaubt, dass es den Gottlosen gut geht und den Gottesfürchtigen schlecht? Ganz ähnlich wie Asaph in Psalm 73 - ein sehr interessanter Psalm.
Auch wir dürfen Gott ganz offen Fragen stellen, wenn wir Dinge nicht verstehen. Wenn wir Sein Handeln nicht nachvollziehen können. Wenn wir uns fragen, warum Er dieses oder jenes zulässt.
Manchmal wird gesagt: Wir sollen nicht „warum“ fragen, sondern „wozu“. Das klingt fromm - Aber ich glaube, Gott hält auch unsere Warum-Fragen aus.
Mich haben schon oft die folgenden Worte von Jesus Christus getröstet. In Johannes 13 sagt Er zu Petrus: „Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber nachher verstehen“ (Joh 13,7). Gott will, dass wir Ihm fest vertrauen - auch wenn wir Ihn jetzt nicht immer verstehen. Aber es ehrt Gott, wenn wir mit dem Vertrauen leben, dass Er keine Fehler macht und dass Er immer weise handelt.
Also in Kapitel 1 stellt Habakuk Fragen. Aber in Kapitel 2 nimmt er plötzlich eine ganz andere Haltung ein. Denn da sagt er: „Auf meine Warte will ich treten und auf den Turm mich stellen und will spähen, um zu sehen, was er mit mir reden wird“ (Hab 2,1).
Das ist ein wichtiger Punkt. Denn Habakuk wird jetzt still vor Gott. Und er rechnet damit, dass Gott auf sein Gebet antwortet. Dass der Herr mit ihm redet. Er will sich von Gott belehren lassen.
Im Propheten Jesaja heißt es mal: „Im Stillsein und Vertrauen würde eure Stärke sein“ (Jes 30,15). Und das gilt auch für uns!
Die Frage ist: Rechnen wir eigentlich damit, dass Gott auf Gebet antwortet? Rechnen wir damit, dass Gott durch sein lebendiges Wort zu uns spricht? Oder beten wir nur aus Pflichtgefühl, ohne eine echte Erwartungshaltung?
David sagt in Psalm 5,4: „Früh wirst du, HERR, meine Stimme hören, früh werde ich dir mein Anliegen vorstellen und harren (oder: ausschauen).“ Es ist wichtig, dass wir das Ausschau Halten nicht vergessen, nachdem wir morgens für Dinge gebetet haben!
Vorheriger Artikel




