2018-05-11

Der Ruf zum Evangelisieren

„Tu das Werk eines Evangelisten, vollführe deinen Dienst“ (2.Tim 4,5).

Wir alle sollen das Werk eines Evangelisten tun. Das kann an vielen Orten geschehen. Wenn der Herr uns an einen bestimmten Ort zum Evangelisieren sendet, wird Er unseren Weg ebnen wenn wir gehorsam sind. Das macht folgende Erfahrung deutlich, die ich gelesen habe:

Kurz danach war ich wieder in Hull und verkündete sonn­tags die Frohe Botschaft. Nach dem Mittagessen saß ich mit Bruder A. J. zusammen, als ich den bestimmten Ruf be­kam, auf einem Dampfer zu sprechen. Ich teilte es Bruder J. mit. „Um zwei Uhr geht hier ein Schiff ab, das gewöhn­lich übervoll ist von Leuten, die vom Markt kommen“, war die Antwort. Ich bekam die Gewissheit, dass ich an Bord dieses Schiffes predigen musste. Ich nahm meine Tasche, und Bruder J. zeigte mir den Weg. Es gab damals noch keinen Landungssteg und als ich über die Laufplanke gehen wollte, glitt diese ab und fiel ins Wasser. Ich konnte mich noch gerade am Schiff festklammern und wurde an Bord gezogen. Das gab viel Lärm und Aufregung, und ich wurde tüchtig durcheinandergeschüttelt. In dieser Lage sah ich auf zum Herrn, damit Er mich aufrichten und mir einen Gleichgesinnten an die Seite stellen möge.

Betend ging ich über das übervolle Deck. Der Herr zeigte mir einen Mann, der gerade Platz genommen hatte. Ich setzte mich neben ihn und fragte ihn, ob er Christ sei. „Durch Gottes Gnade ja“, erwiderte er. Dann fragte ich: „Haben Sie Glauben?“ und erzählte ihm, wie der Herr mich geschickt habe, um an Bord zu predigen, aber dass ich mich so schwach liihle und darum um einen Helfer gebeten hätte. Er sprang auf, und mit den Worten: „Glauben und arbeiten!“, lief er weg. Nun war ich erst recht niedergeschlagen. Auf welche seltsame Art bereitet der Herr Seine Botschafter für Seinen Dienst vor. Jetzt war ich klein genug, so dass der Herr mich gebrauchen konnte, als der Mann mit freudestrahlendem Gesicht zurückkam. „Es kann losgehen“, sagte er. „Was kann losgehen?“ fragte ich. Und er erklärte: „Ich habe vom Kapi­tän die Erlaubnis, und es sind einige Personen da, die ein Lied singen wollen.“ Er stimmte ein Lied an, das aus voller Kehle gesungen wurde. Dann gab der Herr mir Kraft, so dass ich während der ganzen Reise sprechen konnte. An den ver­schiedenen Anlegeplätzen stiegen immer wieder Leute aus. Ich predigte den ganzen Nachmittag bis zum Abend.

Ich wusste damals nicht, ob eine Seele den Herrn gefunden habe. Viele Jahre später, als ich dieses Erlebnis schon fast vergessen hatte, kam nach einer Versammlung in Birming­ham ein Herr auf mich zu und sagte: „Ich glaube, dass sie mich nicht wiedererkennen.“ So war es auch. Er fragte dann: „Erinnern sie sich noch an eine Ansprache von 36 km Länge?“ „Auch das nicht“, antwortete ich. „Nun denn, erinnern Sie sich an die Predigt von Hull nach Thome, die ungefähr 36 km auseinander liegen?“ Da fielen mir die Einzelheiten wieder ein. Er, ein Prediger der Methodisten, war es, der mir damals so freundlich geholfen hatte. Er erzählte mir, dass er später als Prediger in Selby von dort aus die verschiedenen Städte und Dörfer längs des Flusses, wo der Dampfer angelegt hatte, besucht habe. Dabei habe er den ganzen Fluß entlang Seelen gefunden, die an diesem Tag gerettet worden waren. So gibt der Herr oft nach vielen Tagen einen Beweis, dass Sein Wort nicht leer zurückkehrt. O, welch eine Freude ist es, zu predigen mit der vollen Gewissheit, dass Seelen errettet werden!

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