2020-11-04

Der Blick nach oben

„Ich erhebe meine Augen zu den Bergen: Woher wird meine Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat“ (Ps 121,1.2

Der Glaube schaut auch nach oben. Er öffnet uns die Augen für die unsichtbare Welt, d.h. er ist völlig überzeugt von der Existenz unsichtbarer, geistlicher und himmlischer Dinge und gibt uns Gewissheit darüber. Nachdem Paulus den Korinthern die großartige, ewige Herrlichkeit, die auf uns wartet, den gegenwärtigen und zeitlich begrenzten Prüfungen und Nöten gegenüberstellt, sagt er: „Indem wir nicht das anschauen, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht; denn das, was man sieht, ist zeitlich, das aber, was man nicht sieht, ewig“ (2. Kor 4,18). Der Glaube richtet sich also nicht auf die sichtbare, sondern auf die unsichtbare Welt: „Denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen“ (2.Kor 5,7).

Das wichtigste ist, dass der Glaube den lebendigen Gott vor Augen hat. „Ich erhebe meine Augen zu dir, der du in den Himmeln thronst!“ (Ps 123,1). Das ist die Sprache des Glaubens, der die Gemeinschaft mit Gott genießt und der weiß, dass Er immer bei uns ist. In diesem Bewusstsein hat auch Jesus Christus hier auf der Erde gelebt und prophetisch gesagt: „Ich habe den HERRN stets vor mich gestellt; weil er zu meiner Rechten ist, werde ich nicht wanken“ (Ps 16,8).

Wenn wir Gott vor Augen haben, bekommen wir Mut, in Prüfungen weiterzumachen ohne zu resignieren. Mose hatte die schwere Aufgabe, mehrfach vor dem Pharao zu erscheinen und diesem mächtigen Herrscher das Gericht Gottes anzukündigen. Was gab ihm die Kraft dazu? Der Schreiber des Hebräerbriefs gibt uns die Antwort: „Er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren“ (Heb 11,27). Weil er den großen, unsichtbaren „Ich bin“ vor Augen hatte, brauchte er sich vor dem sichtbaren König nicht zu fürchten.

Auch Elia hielt sich im Glauben vor Gott auf. Plötzlich erscheint er vor dem bösen König Ahab, kündigt ihm Gericht an und sagt: „So wahr der HERR lebt, der Gott Israels, vor dessen Angesicht ich stehe, wenn es in diesen Jahren Tau und Regen geben wird, es sei denn auf mein Wort!“ (1. Kön 17,1).

Einen ähnlichen Mut sehen wir bei Stephanus (Apg 7). Als die wutentbrannten Juden mit knirschenden Zähnen vor ihm stehen, schaut er unverwandt zum Himmel, sieht die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen. Furchtlos zeugt er von seinem geliebten Herrn und wird dadurch ein großartiges Vorbild für eine große Armee von Christen, die seinen Glaubensmut im Wort Gottes über Jahrhunderte dokumentiert haben.

Jan Hus war ein böhmischer Theologe und Reformator aus dem 15. Jahrhundert, der einige Wahrheiten des Wortes Gottes neu auf den Leuchter stellte und sich dadurch gegen das Papsttum aufgelehnt hat. Dafür wurde er von der katholischen Kirche auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Es ist sehr beeindruckend, das Glaubensvertrauen und die Entschiedenheit dieses Mannes zu sehen, der bereit war, für Christus und die Wahrheit zu sterben. Während der letzten Stunden seines Lebens hielt er seinen Blick fest auf seinen Herrn gerichtet. Als er von seinen Peinigern ausgezogen und angeprangert wurde, betete er für sie und sagte: „Herr Jesus Christus, vergib meinen Feinden um deiner Barmherzigkeit willen.“

In einer aufwändigen Zeremonie wurde Hus das Priesteramt entzogen. Dieses Ritual gipfelte darin, dass sieben Bischöfe ihm den Abendmahlskelch aus den Händen nahmen, während sie deklarierten: „O verfluchter Judas ... wir nehmen dir den Kelch der Erlösung weg.“ Hus ließ sich dadurch nicht beeindrucken und sagte ruhig: „Ich vertraue Gott.“

Dann wurde er mit vielfältigen Flüchen belegt, während man ihn aus der Kirche ausstieß. Das Ritual erreichte seinen Höhepunkt, als die Bischöfe erklärten: „Wir übergeben deine Seele dem Teufel.“ Doch Hus ließ auch sich von diesen Worten nicht erschüttern. Er hielt weiterhin seinen Blick fest auf den Herrn gerichtet und antwortete: „Ich übergebe meine Seele Jesus Christus.“

Als dieser treue Mann den Scheiterhaufen vor sich sah, sagte er mit Entschiedenheit: „Ich bin bereit, für das Evangelium Christi zu sterben.“ Nachdem er auf dem Holz festgebunden war, wurde ihm eine rostige Kette um den Hals gelegt. So stand er dort, halbnackt, dem Tod ins Auge sehend.

Zwei Wagenladungen Holz wurden abgeladen und dann bis zu seinem Kinn aufgeschichtet. Dann legten die Henker noch Stroh und Pech darauf - nun kam der Moment der Wahrheit. Der Reichsmarschall ermutigte Hus ein letztes Mal zu widerrufen, um sein Leben zu retten.

Augenzeugen sagen, dass Hus kaum eine Pause machte, als er laut sagte: „Gott ist mein Zeuge, dass der Fokus meiner Predigt darauf lag, Menschen von der Sünde abzuwenden. In der Wahrheit des Evangeliums bin ich bereit, heute mit Freuden zu sterben.“

Nachdem diese Worte vernommen worden waren und nun jedem klar war, dass diesen Mann nichts von seinem Kurs abbringen konnte, wurde der Scheiterhaufen in Brand gesetzt. Bis zum letzten Atemzug seines Lebens hielt er seinen Blick fest auf Jesus, seinen Herrn, gerichtet. Seine letzten Worte waren: „Christus, Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich meiner.“

Was für ein Glaube und welche Standfestigkeit strahlt aus dem Leben dieses Mannes hervor! „Den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmt ihren Glauben nach“ (Heb 13,7).

Gedankenanstöße: Wie kannst du in deinem Alltagsleben den Herrn stets vor dich stellen, so dass du nicht wankst, wenn Widerstand kommt? Wann hast du deinen Herrn das letzte Mal vor Ungläubigen bekannt, indem du ihnen das Evangelium vorgestellt hast? Wie kannst du Menschenfurcht überwinden? „Fürchte dich nicht! Denn mehr sind die, die bei uns, als die bei ihnen sind“ (2. Kön 6,16).

J.P.S.


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