2018-09-03

Der sterbende Trommler

Die wahre Geschichte von Charles Coulson

Zwei oder dreimal hat Gott in meinem Leben in Seiner gro­ßen Gnade mein Herz berührt und zweimal stand ich vor meiner Umkehr zu Christus unter dem Druck großer Schuld. Während der Ameri­kanischen Bürgerkrieges (1861-1865) war ich Feldarzt in der Armee der USA.

Nach der Schlacht von Gettysburg waren mehrere hundert verwundete Soldaten in meinem Hospital. Von denen 28 so schwer verwundet waren, dass sie meinen Dienst sofort brauchten. Einigen mussten die Beine amputiert werden, anderen der Arm, manchen beides. Zu diesen letzteren gehörte ein Junge, der erst drei Monate im Kriegsdienst stand. Er war zu jung zum Soldaten, deshalb war er als Trommler eingestellt worden. Als mein Assistenzarzt und der Wärter ihm vor der Operation Chloroform geben wollten, wandte er seinen Kopf zur Seite und weigerte sich ent­schieden, es anzunehmen. Als der Wärter sagte, es sei der Befehl des Arztes, antwortete er: "Schicken Sie den Arzt zu mir."

Ich kam an sein Bett und sagte: "Junger Mann, warum verweigerst du das Chloroform? Als ich dich auf dem Schlachtfeld fand, warst du so geschwächt, dass ich dachte, es sei kaum der Mühe wert dich aufzuheben. Aber als du deine große blauen Augen öffnetest, dachte ich, vielleicht hast du irgendwo eine Mutter, die in diesem Augenblick an ihren Jun­gen denkt. Darum wollte ich dich nicht auf dem Schlachtfeld sterben lassen und befahl, dass du hierher gebracht würdest. Aber du haben so viel Blut verloren, dass du zu schwach bist, eine Opera­tion ohne Chloroform auszuhalten. Darum lass es dir lieber geben."

Er legt seine Hand auf meine, sah mir in die Augen und sagt: "Doktor, ich war 9 1/2 Jahre alt, als ich an einem Sonntagnachmittag im Kindergottesdienst dem Herrn Je­sus mein Leben übergab. Ich lernte es damals, Ihm zu vertrauen und habe Ihm seit­dem immer vertraut. Ich weiß, ich kann Ihm auch jetzt vertrauen. Er ist meine Kraft und mein Beistand. Er wird mich durch tragen, während Sie meinen Arm und mein Bein amputieren! Ich fragte ihn dann, ob ich ihm wenigstens einen kleinen Kognak geben dürfte. Wieder sah er mich an und sagte: "Doktor, als ich etwa 5 Jahre alt war, kniete meine Mutter an meiner Seite, legte ihren Arm um meinen Hals und sprach: "Charly, ich bete zu Jesus, dass du niemals den Geschmack eines starken Geträn­kes kennen lernst. Dein Papa starb als Trinker und kam in das Grab eines Trunken­bolds. Da versprach ich Gott, wenn es Sein Wille wäre, dass du groß wirst, solltest du einer werden, der junge Leute vor diesem bitteren Kelch warnt. "Ich bin jetzt 17 Jahre alt, aber ich habe niemals etwas getrunken, was stärker war als Kaffee oder Tee. Da ich jetzt aller Wahrscheinlichkeit nach in die Gegenwart Gottes gehe, bitte ich Sie, dass ich dies nicht mit einem Schnaps im Magen tun muss.

Den Blick, den mir der Junge gab, werde ich nie vergessen. Zu der Zeit hasste ich Jesus, aber ich achtete die Treue dieses Jungen zu seinem Retter. Als ich sah, wie er Ihm vertraute und Ihn liebte bis zuletzt, berührte etwas mein Herz. Ich tat für die­ sen Jungen, was ich nie für einen anderen Soldaten getan hatte: Ich fragte ihn, ob er gern seinen Prediger sehen möchte. "O ja, Herr Doktor!" war seine Antwort.

Als der Kaplan (Feldprediger) R. kam, erkannte er den Jungen sofort. Er hatte ihn oft in den Feldgebetsversammlungen gesehen. Er nahm seine Hand und sagte: "Mein lieber Charly, es tut mir sehr leid, dich so schwer verwundet zu sehen." "O, mir geht es gut, Herr Kaplan," antwortete er. "Der Arzt wollte mir Chloroform geben, aber ich weigerte mich. Dann bot er mir einen Brandy an, aber den wies ich auch zurück.

Wenn mein Heiland mich jetzt ruft, kann ich mit klarem Geist zu Ihm gehen." "Viel­leicht stirbst du nicht, Charly," sagte der Prediger, "aber falls der Herr dich doch heimrufen sollte, kann ich vielleicht noch etwas für dich tun?

"Herr Pastor, bitte holen Sie unter meinem Kopfkissen meine kleine Bibel hervor. Sie finden darin die Anschrift meiner Mutter. Bitte senden Sie ihr die Bibel und schreiben Sie ihr, dass ich von dem Tag an, als ich von zu Hause fort kam, nie einen Tag ver­säumt habe, einen Abschnitt in meiner Bibel zu lesen. Jeden Tag betete ich, dass Gott meine liebe Mutter segnen möge. Das tat ich jeden Tag, egal, ob ich marschier­te, in der Schlacht war oder im Lazarett. "Kann ich vielleicht noch sonst etwas für dich tun, mein Junge?" fragte der Feldprediger. "Ja, bitte schreiben sie einen Brief an den Leiter der Sands-Street - Sonntagsschule in Brooklyn, (m Staat New York) und sagen Sie ihm, dass ich die freundlichen Worte, den guten Unterricht, den ich dort hatte und die Gebete nie vergessen habe. Sie haben mich durch die Gefahren der Schlacht begleitet, und jetzt in meiner Sterbestunde bitte ich meinen Erlöser, meinen lieben Sonntagsschulleiter (Superintendant) zu segnen.- Das ist alles."

Er wandte sich zu mir und sprach: "Jetzt bin ich bereit, Herr Doktor. Und ich verspreche Ihnen, dass ich nicht im Geringsten stöhnen werde, während Sie meinen Arm und mein Bein abnehmen, wenn Sie mir kein Chloroform geben. "Ich versprach es ihm. Aber ich selbst hatte nicht den Mut, das Messer zu dieser Operation in die Hand zu neh­men, ohne erst ins Nebenzimmer zu gehen und einen Schluck aus der Flasche zur Beruhigung meiner Nerven zu nehmen, ehe ich an meine schwere Pflicht ging. Wäh­rend ich durch das Fleisch schnitt, kam kein Laut aus Charles Coulsons Mund. Aber als ich anfing, den Knochen abzutrennen, nahm der Junge die Ecke seines Kopfkis­sens in den Mund und alles, was ich hören konnte, war: "O Jesus, gepriesener Je­sus, stehe mir jetzt bei!" Er hielt sein Versprechen und stöhnte nicht.

In dieser Nacht konnte ich nicht schlafen. Wohin ich mich auch wandte, immer sah ich die sanften blauen Augen, und wenn ich die meinen zu schloss, dann klangen die Worte in mei­ne Ohren: "Jesus, gepriesener Jesus, stehe mir jetzt bei.“ Zwischen zwölf und ein Uhr verließ ich mein Bett und ging zum Lazarett, was ich sonst nie getan hatte, es sei denn, dass ich extra gerufen worden wäre. Aber mein Wunsch, den Jungen zu sehen, war so groß. Bei meiner Ankunft wurde mir mitgeteilt, dass 16 von den hoff­nungslosen Fällen schon gestorben seien und gleich in die Leichenhalle gebracht worden waren. "Wie geht es denn Charles Coulson? Ist er unter den Toten?" fragte ich. "Nein, Herr Doktor," antwortete der Wärter, "er schläft so sanft wie ein Kind."

Als ich an sein Bett kam, erzählte mir eine der Schwestern, dass etwa um 9 Uhr zwei Mitglieder des CVJM ins Hospital gekommen waren, um zu singen und zu lesen. Der Feldprediger R. war mit ihnen gekommen. Dieser kniete an Charlys Bett und sprach ein heißes, inniges Gebet. Danach sangen sie noch kniend das schönste Lied, das ich je gehört habe: "Jesus, der meine Seele liebt“ (Orig.: Jesus, lover of my soul), in welches Charles einstimmte. Ich konnte nicht begreifen, wie der Junge, der doch sol­che grauenhaften Schmerzen ertragen hatte, singen konnte.

Fünf Tage, nachdem ich Arm und Bein dieses lieben Jungen amputiert hatte, ließ er mich rufen. Und von ihm hörte ich an jenem Tage die erste Evangeliumsverkündigung: "Doktor", sagte er, "meine Zeit ist gekommen. Ich erwarte nicht, dass ich noch den nächsten Sonnen­aufgang erlebe. Aber ich danke Gott, ich bin bereit zu gehen. Bevor ich sterbe, möch­te ich Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Freundlichkeit danken. Doktor, Sie sind ein Jude. Sie glauben nicht an Jesus. Wollen Sie bitte hier an meinem Sterbebett stehen bleiben und sehen, wie ich bis zum letzten Augenblick meinem Heiland vertraue.“ Ich versuchte zu bleiben, aber ich konnte nicht. Ich hatte nicht den Mut, dabei zu stehen und zu sehen, wie ein Christenjunge stirbt, jubelnd in der Liebe dieses Jesus, den ich gelehrt worden war, zu hassen. So verließ ich schnell den Raum. Ich setzte mich in mein Büro und verbarg das Gesicht in meinen Händen. Nach etwa 20 Minuten kam der Wärter, um mir mitzuteilen, dass Charles Coulson mich zu sehen wünsche. "Ich habe ihn gerade gesehen, und ich kann ihn nicht noch einmal sehen", antwortete ich.

"Doch, Herr Doktor, er sagt, er muss Sie noch einmal sprechen, ehe er stirbt." Ich nahm mir nun vor, hinzugehen, ein aufmunterndes Wort zu sagen und ihn sterben zu lassen. Aber ich war entschlossen, dass nicht das kleinste Wort von ihm, so weit es Jesus betraf, mich beeinflussen sollte. Als ich zu ihm kam, sah ich, dass es schnell mit ihm dem Ende zuging. So setzte ich mich an sein Bett. Er bat mich, seine Hand zu nehmen und sagte: "Ich liebe Sie, Doktor, weil Sie ein Jude sind. Der beste Freund, den ich in dieser Welt gefunden habe, ist ein Jude." Ich fragte nun, wer das sei. Er antwortete: "Jesus Christus, zu welchem ich Sie hinführen möchte, ehe ich sterbe. Wollen Sie mir versprechen, Doktor, dass Sie nie vergessen wollen, was ich Ihnen jetzt sage?" - Ich versprach es, und er fuhr fort: "Vor fünf Tagen, während Sie meine Arm und mein Bein abnahmen, betete ich zu dem Herrn Jesus, dass er ihre Seele retten möchte."

Diese Worte gingen tief in mein Herz hinein, ich konnte nicht verstehen, wie es mög­lich war, dass er, während ich ihm die allergrößten Schmerzen verursachte, sich selbst so völlig vergessen konnte und an nichts denken, als an seinen Erlöser und an meine ungerettete Seele. Ich konnte nichts weiter zu ihm sagen als: "Nun, mein lie­ber Junge, es wird dir bald gut gehen." Mit diesen Worten verließ ich ihn, und 20 Mi­nuten später war er eingeschlafen, "sicher in Jesu Armen (save in the arms of Je­sus)."

Hunderte von Soldaten waren in meinem Hospital während der Krieges gestorben, aber nur einem folgte ich zum Grab: Und dieser eine war Charles Coulson, der Trommlerjunge. Ich ritt drei Meilen, um bei seiner Beerdigung dabei zu sein. Ich hatte ihn in eine neue Uniform gekleidet und in einen Offizierssarg gelegt. Die Fahne der Vereinigten Staaten war über ihm ausgebreitet. Die letzten Worte dieses lieben Jun- gen hatten einen tiefen Eindruck auf mich gemacht. Ich war zu jener Zeit reich, so weit es Geld betrifft. Aber ich hätte gern jeden Cent meines Vermögens geopfert, wenn ich statt dessen Christus so hätte lieben können, wie ich es bei Charly gesehen hatte. Aber solches Gefühl kann nicht mit Geld gekauft werden. Leider vergaß ich bald die Predigt meines kleinen Christensoldaten. Aber ihn selbst konnte ich nicht vergessen. Ich weiß jetzt, dass ich in jener Zeit unter tiefem Schuldbewusstsein litt, aber ich kämpfte gegen Christus mit allem Hass eines orthodoxen Juden - ungefähr 10 Jahre lang. Dann wurde das Gebet des lieben Jungen erhört, und Gott rettete meine Seele.

(hier folgt dann das Zeugnis des Doktors, wie er - als orthodoxer Jude - Christus, den Messias der Juden, fand. Aus Platzgründen ist diese Begebenheit weggelassen worden)

Etwa 18 Monate nach meiner Umkehr zu Christus war ich in einer Gebetsversamm­lung in der Stadt Brooklyn (NY). Es war eine jener Versammlungen, in denen Chris­ten Zeugnis geben von der Liebe ihres Erlösers. Nachdem verschiedene Christen gesprochen hatten, stand eine ältere Frau auf und sagte: "Liebe Freunde, dies mag das letzte Mal sein, dass ich das Vorrecht habe, für Christus zu zeugen. Mein Haus­arzt teilte mir gestern mit, dass meine rechte Lunge total zerstört ist und meine linke Lunge auch schon befallen ist. Ich habe nur noch wenig Zeit um bei Euch zu sein. Alles was ich zurücklasse, gehört Jesus. Oh, es ist eine große Freude, zu wissen, dass ich bald meinen Jungen bei Jesus im Himmel treffen werde. Mein Sohn war nicht nur ein Soldat für sein Vaterland, sondern auch ein Soldat für Jesus Christus.

Er wurde in der Schlacht von Gettysburg verwundet und kam in die Hände eines jü­dischen Arztes, der ihm seinen Arm und sein Bein amputieren musste. Aber 5 Tage nach der Operation starb er. Der Feldprediger des Regiments schrieb mir einen Brief und sandte mir die Bibel meines Jungen. In diesem Brief wurde mir mitgeteilt, dass mein Charly in seiner Sterbestunde den Arzt zu sich gebeten hatte und ihm sagte: "Doktor, ehe ich sterbe möchte ich Ihnen sagen, dass ich vor fünf Tagen, während sie mir meinen Arm und mein Bein abnahmen, zu meinem Herrn Jesus gebetet habe, er möchte ihre Seele retten."

Als ich das Zeugnis dieser Frau hörte, konnte ich nicht mehr sitzen bleiben. Ich stand auf, ging durch den Raum, nahm ihre Hand und sagte: "Gott segne Sie meine liebe Schwester! Das Gebet ihres Sohnes ist erhört! Ich bin der jüdische Arzt für welchen ihr Charly gebetet hat. Und sein Erlöser ist nun auch mein Erlöser!"

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