2018-06-08

Ausdauer im Glaubensleben

„... Lasst auch uns ... mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf...“ (Heb 12,2).

Viele Menschen haben eine übertrieben idealistische Ansicht über das Leben als Christ. Sie meinen, es müsste aus einer ununterbrochenen Serie von Gipfel-Erlebnissen bestehen. Sie lesen christliche Bücher und Zeitschriften und hören persönliche Zeugnisse von dramatischen Erfahrungen; daraus schließen sie, dass darin das ganze Leben besteht. In ihrer Traumwelt gibt es keine Probleme, Schmerzen, Prüfungen und Ratlosigkeit. Es gibt keinen Platz für harte Arbeit, tägliche Routine, monotones Vorwärtskämpfen. Stattdessen schwebt man nur im siebten Himmel. Wenn ihr Leben dann mit dieser illusionären Vorstellung nicht übereinstimmt, sind sie entmutigt, desillusioniert und leiden unter Entzugserscheinungen.

Die Wirklichkeit aber sieht folgendermaßen aus: Der größte Teil des Lebens als Christ besteht in dem, was Campbell Morgan (1863 -1945, englischer Bibellehrer und Prediger) als den „Weg hartnäckiger Beständigkeit im Tun scheinbar kleiner Dinge“ bezeichnet. Genau das habe ich auch erfahren. Es gab eine gewaltige Menge unangenehmer Kleinarbeit, lange Stunden disziplinierten Studiums, Dienst ohne offensichtliche Ergebnisse. Manchmal erhob sich die Frage: „Wird überhaupt etwas erreicht?“ Gerade dann schenkte der Herr ein Zeichen der Ermutigung, eine wunderbare Gebetserhörung, ein klares Wort Seiner Führung. Und ich wurde gestärkt, um wieder für eine Weile vorwärts zu gehen.

Das Leben als Christ ist ein Langstreckenlauf, nicht ein 50-Meter-Sprint, und wir brauchen Ausdauer, um ihn zu bewältigen. Ein guter Start ist wichtig, aber worauf es wirklich ankommt, ist die Ausdauer, die uns in strahlender Herrlichkeit durchs Ziel gehen lässt.

Henoch wird für immer einen Ehrenplatz in den Annalen des Ausharrens behalten. Er wandelte - stellen wir uns das einmal vor! - dreihundert Jahre lang mit Gott (1. Mose 5,22). Aber wir dürfen nicht glauben, dass das Jahre unvermischter Freude oder ununterbrochener Begeisterung waren. Er lebte in einer Welt wie der unseren, und es war unvermeidlich, dass auch er seinen Teil an Prüfungen, Ratlosigkeit und sogar Verfolgung erduldete. Doch er wurde nicht müde im Gutestun. Er harrte aus bis ans Ende.

Wenn wir je in der Versuchung stehen, aufzugeben, erinnern wir uns an die Worte von Hebräer 10,36: „Denn ihr bedürfet des Ausharrens, auf dass ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontraget.“

W.M.D.

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