2019-10-17

Die Wasserkrüge zu Kana (2)

„Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan“ (Johannes 2,7).

Zweitens: Christi Befehle sollen nicht in Frage ge­stellt, sondern vollzogen werden. Die Leute wollen Wein, und Christus sagt: „Füllet die Krüge mit Was­ser!“

Nun, wären diese Diener so gewesen wie die tadel­süchtigen Kritiker unserer Zeit, dann hätten sie den Herrn lange angesehen und den Einwurf erhoben: „Wir brauchen kein Wasser; es ist nicht das Fest der Reini­gung, es ist ein Hochzeitsfest. Wir haben kein Wasser nötig bei einer Hochzeit. Wir werden Wasser brauchen, wenn wir zur Synagoge oder zum Tempel gehen, um der Sitte gemäß unsere Hände zu waschen. Die Stunde und die Situation erfordern Wein.“

Aber Marias Rat an sie war gut: „Was er euch sagen wird, das tut!“ Lasst auch uns nicht zweifeln, sondern nach seinem Befehl tun.

Es mag manchmal scheinen, dass das Gebot Christi den Punkt, auf den es ankommt, nicht trifft. Der Sünder zum Beispiel sagt: „Herr, errette mich, überwinde die Sünde in mir!“ Unser Herr ruft: „Glaube!“, und der Sünder kann nicht sehen, wie ihn der Glaube fähig ma­chen wird, die Herrschaft über eine ihm anklebende Sünde zu erlangen. Auf den ersten Blick scheint da kein Zusammenhang zu sein zwischen dem einfachen Ver­trauen auf den Heiland und dem Überwinden der Hef­tigkeit und dem Ablegen einer schlechten Gewohnheit wie Unmäßigkeit, Leidenschaft, Geiz oder Lügenhaftig­keit. Es ist aber ein Zusammenhang da; denkt nur daran - ob ihr ihn sehen könnt oder nicht. Es ist nicht eure Sache, nach dem Warum zu fragen, sondern zu tun, was der Herr euch befiehlt. Denn auf dem Weg des Gebotes wird das Wunder der Barmherzigkeit gewirkt.

„Füllet die Krüge mit Wasser!“ - wenn es auch Wein ist, den du benötigst. Denn Christus sieht einen Zusam­menhang zwischen dem Wasser und dem Wein, obwohl du ihn noch nicht siehst. Er hat einen Grund, weshalb Er die Krüge mit Wasser füllen lässt; es ist nicht eure Sache, um eine Aufklärung zu bitten, sondern Gehor­sam zu leisten.

Manchmal mögen diese Befehle sogar kleinlich er­scheinen. Sie mögen aussehen, als ob Er mit uns Spott triebe. Die Familie hatte Wein nötig, der Herr Jesus sagt: „Füllet die Krüge mit Wasser!“ Die Diener hätten sagen können: „Es ist ganz klar, dass Er mit uns spielt Wir täten besser daran, herumzugehen und die Freunde dieser armen Leute zu bitten, dass sie noch einen Schlauch Wein beisteuern. Es wäre besser, einen Laden aufzusuchen, in dem wir Wein kaufen können; aber uns zu dem Brunnen zu schicken, diese Wasserkrüge zu fül­len, in die so viel Wasser hineingeht, das scheint uns ein durchaus kindisches Spiel zu sein.“

Ich weiß, Brüder, dass es manchmal so scheint, als werde der Pfad der Pflicht nicht zu dem erwünschten Resultat führen. Wir möchten gern etwas mehr tun. Die­ses „etwas mehr“ mag unrecht sein, aber es sieht aus, als wenn wir dadurch unseren Plan leichter und schneller ausführen könnten; und deshalb tragen wir Verlangen nach diesem unbefohlenen und vielleicht verbotenen Etwas.

Ich weiß, dass manches unruhige Gewissen meint, einfach an Jesus zu glauben sei etwas zu Geringes. Das betrügerische Herz gibt etwas ein, was wirksamer zu sein scheint. „Lege dir irgendeine Buße auf; fühle Bit­terkeit; weine eine Menge von Tränen; quäle deine See­le, oder brich dein Herz“, ruft das fleischliche Ich. Jesus gebietet einfach: „Glaube!“

Es scheint so geringfügig, als wenn es nicht sein könnte, dass das ewige Leben gegeben würde, sobald ihr euer Vertrauen auf den Herrn Jesus setzt. Aber dies ist der Grundsatz, den wir euch lehren möchten: Wenn Je­sus Christus einen Segen geben will, dann erlässt er einen Befehl, der nicht in Frage gestellt, sondern sofort vollzogen werden muß.

Der dritte Grundsatz ist: Wenn wir einen Befehl von Christus erhalten, so ist es immer weise, ihn sofort mit Eifer auszuführen. Er sprach: „Füllet die Krüge mit Wasser!“, und sie füllten sie bis obenan.

Ihr wisst, es gibt eine Art, einen Wasserkrug zu füllen, und eine andere Art, es zu tun. Er ist voll, und ihr könnt ihn nicht aufhäufen; aber doch könnt ihr ihn füllen bis zum Überlaufen. Beim Erfüllen der Gebote Christi, meine lieben Brüder und Schwestern, lasst uns bis zum äußersten gehen: Lasst sie uns bis obenan füllen! Wenn es das Gebot ist: „Glaube!“, so glaubt an Ihn mit eurer ganzen Kraft, vertraut Ihm von ganzem Herzen. Wenn es heißt: „Predigt das Evangelium!“, so predigt es zur Zeit und zur Unzeit und predigt das ganze Evangelium. Füllt es bis obenan. Gebt dem Volk nicht ein halbes Evangelium. Füllt die Gefäße bis obenan. Wenn ihr Buße tun sollt, so betet um eine herzliche und tiefe Buße - voll bis an den Rand. Wenn ihr glauben sollt, bittet um eine innige, unbedingte, kindliche Zuversicht, auf dass euer Glaube voll bis an den Rand sei. Wenn euch befohlen wird zu beten, so betet mächtig: Füllt das Ge­fäß des Gebets bis an den Rand. Wenn ihr in der Schrift suchen sollt, sucht sie von einem Ende bis zum andern durch: Füllt das Gefäß des Bibellesens bis obenan.

Christi Befehle sollten nie in halbherziger Weise aus­geführt werden. Lasst uns unsere Seele in alles hinein­werfen, was Er uns gebietet, selbst wenn wir noch nicht den Grund sehen können, warum Er uns die Aufgabe gestellt hat. Christi Befehle sollten mit Hingabe und bis zum äußersten vollzogen werden, wenn ein Äußerstes möglich ist.

C.H.S.


Artikelreihe: Die Wasserkrüge zu Kana

Die Wasserkrüge zu Kana (1) Die Wasserkrüge zu Kana (3)


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