2026-05-17

Zu stark für Gott?!

“Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der HERR der Heerscharen” (Sach 4,6) 

In der Bibel und in der Kirchengeschichte finden wir viele Beispiele dafür, dass Gott gerade schwache Menschen gebraucht. 

Ein israelisches Dienstmädchen wird in syrischer Gefangenschaft von Gott dazu benutzt, dass der mächtige Naaman von seinem Aussatz geheilt wird. Die fünf Brote und zwei Fische eines kleinen Jungen gebraucht Jesus Christus, um mehr als fünftausend Menschen zu speisen. 

Elisabeth, alt und zudem unfruchtbar, wird von Gott dazu gebraucht, Johannes der Täufer zur Welt zu bringen - den größten der Propheten. Oder denken wir an die Witwe in Zarepta, die von Gott den Auftrag erhält, Elia, den Mann Gottes, zu versorgen. 

Auch die Jünger Jesu waren einfache, ungebildete Leute. Und gerade sie sendet der Herr aus, um das Evangelium in die ganze Welt zu tragen. 

Immer wieder dasselbe Muster: Gott erwählt das Schwache der Welt, um sich selbst zu verherrlichen. 

Unser Problem ist oft nicht, dass wir zu schwach sind, sondern dass wir zu stark sind - zu stark für Gott. Nicht unsere Probleme machen uns unbrauchbar, sondern das Vertrauen auf unsere eigenen Stärken. 

Das geschieht, wenn wir aus guter Gesundheit, guter Bildung, guten Beziehungen, viel Geld oder äußerer Sicherheit ein falsches Selbstvertrauen entwickeln. Wenn wir meinen, auch ohne Gottes Hilfe gut zurechtzukommen. Kaum jemand würde das offen sagen. Und doch lebt vieles unterschwellig genau davon. 

Vielleicht kann Gott uns nicht so gebrauchen, wie Er es möchte, weil wir zu stark für Ihn geworden sind. 

Die Begabten, die Mächtigen, die Klugen kann Gott erst dann gebrauchen, wenn sie das Vertrauen auf ihre natürlichen Fähigkeiten aufgeben und sich ganz auf Ihn stützen. 

Das Beispiel von Mose zeigt es deutlich. Bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr wächst er am Hof des Pharao auf. Hochgebildet. Unterwiesen in aller Weisheit der Ägypter. Mit vierzig erschlägt er im Selbstvertrauen einen Ägypter, um sich für Israel einzusetzen. 

Doch mit diesem Selbstvertrauen kann Gott Mose nicht gebrauchen. Darum nimmt Er ihn vierzig Jahre in Seine Schule. Am Ende dieser Zeit ist Mose ein gebrochener Mann. Schwach. Unfähig in seinen eigenen Augen. Und genau so kann Gott ihn nun gebrauchen. 

Matthew Henry brachte es auf den Punkt: „Gott benutzt die, die zuerst einmal unter den Eindruck kommen, dass sie unwürdig sind, von Ihm gebraucht zu werden.“

Und weil Mose sich schließlich - trotz seiner Schwachheit - Gott zur Verfügung stellt, kann Gott große Dinge durch ihn tun. Das gilt auch für uns: Was Gott von uns will, ist nicht unsere Fähigkeit oder Unfähigkeit, sondern unsere Verfügbarkeit.

J.P.S.


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