2018-09-24

Lebendige Gebetsstunden?

„Ihr erlanget es nicht, weil ihr nicht bittet, “  (Jakobus 4,2)

Ich tadle nicht gern, aber schreiende Übel fordern eine öffentliche Rüge. Meint ihr nicht auch, dass dieser Text auf viele unserer Ge­meinden paßt? Sie haben kein Gedeihen, die Versammlungen sind klein, und - die Hauptursache von allem anderen Übel - sie haben kaum Gebetsversammlungen. An vielen Orten besteht ein solcher Mangel an Interesse, dass die Gebetsversammlungen nicht ge­schätzt, sondern als etwas Untergeordnetes angesehen werden. Kann das Segen bringen?

An einigen Orten werden die Gebetsversammlungen schlecht be­sucht, weil durch langatmige Gebete der Brüder, in denen sie sich selbst lange Ansprachen halten, ihre Erfahrungen mitteilen und ihre Bibelkunde ausbreiten, die Frische des Gebets verlorengegangen ist. Man hat mir erzählt, dass unsere Freunde von der Heilsarmee ein Lied anstimmen, sobald ein Freund langweilig oder weitschweifig wird; und ich habe große Sympathie für diese Praxis. Wenn Gebets­versammlungen in Geschwätz ausarten, dürfen wir uns nicht wun­dem, wenn kein Segen kommt. In solchen Fällen ist das Wort wahr: „Ihr erlanget es nicht, weil ihr nicht bittet.“

Wenn irgendein Gläubiger da wohnen sollte, wo die Gebetsver­sammlungen vernachlässigt werden, soll er sich dazu entschließen, sie wieder zu beleben. Als an einem Ort beschlossen wurde, keine Gebetsversammlungen mehr abzuhalten, erklärte eine Frau, dass das nicht geschehen werde; denn wenn auch niemand anders da wäre: Sie würde am Platze sein. Sie blieb ihrem Wort treu, und als an einem Morgen jemand etwas scherzhaft fragte: „Habt ihr gestern abend Gebetsversammlung gehabt?“, erwiderte sie: „Gewiß haben wir!“

„Ich habe aber doch gehört, dass Sie dort allein gewesen sind.“

„Nein“, sagte sie. „Ich war zwar die einzige sichtbare Person, aber der Vater war da, der Sohn war da, und der Heilige Geist war da, und wir stimmten im Gebet überein.“

Es dauerte nicht lange, da schämten sich andere im Blick auf die Beständigkeit dieser armen, alten Frau; und bald gab es eine neube­lebte Gebetsversammlung und eine aufblühende Gemeinde.

C.H.S.

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