2018-06-07

Der Weg eines fruchtbaren Lebens

Jesus diente uns mit seinen Worten; er diente uns mit seinem heiligen Leben; aber er diente uns vor allem als Lamm. Als Weizenkorn, das sich in die Erde legen ließ, bereit zu sterben, brachte er viel Frucht. Durch Leiden vollkommen gemacht und mit Leiden des Todes gekrönt, führte er viele Söhne zur Herrlichkeit (Heb 2). Als sterbendes Lamm wurde er ein vollkommener Heiland; ohne die Leiden des Todes wäre er es nicht gewesen.

Denke dir aus seinem Leben die Lammesgestalt weg! Was bleibt dann noch übrig von ihm? Ein Prophet, mächtig in Taten und Worten, wie die Emmausjünger sagten. Aber als solcher konnte er uns nicht erlösen. Denke dir aus deinem Leben die Lammesgestalt weg! Was bleibt noch übrig? Nur als Lamm konnte Jesus dienen und erlösen.

Nur als Lämmer können wir dienen und mithelfen an der Erlösung unserer Brüder und unserer Schwestern. Darum sandte Jesus seine Jünger als Lämmer aus. Die Lämmer sind fruchtbar, weil sie das Ihrige geben und das Ihrige sich nehmen lassen können. Ein Schaf lässt sich das Seinige nehmen, ohne den Mund aufzutun.

Frucht ist mehr als Erfolg. Frucht vermehrt sich. Ob unsere Lehre und unser Leben Licht ist, können wir daran sehen, wenn es bei anderen Leben wirkt und göttliche Frucht ausreift. Nur wo Leben ist, kann Frucht sein, und nach Johannes 6,47-59 ist nur da Leben, ewiges Leben, wo man auf die Todesge­meinschaft mit dem Lamme eingegangen ist. Denn das ist der größte Sieg für den Herrn, wenn er auf Erden Menschen findet, die seinen Tod ausleben. Solche geben Anschauungsunterricht, und das ist bekanntlich der wirksamste. Heute schrieb mir ein Prediger: „Ich kann nur dadurch ein Segen sein, dass ich den Leuten das Leben Christi vorlebe. Ich finde, das zieht am meisten an. An einer frischen Quelle labt sich gern jeder Dürstende. Und sollen wir nicht Quellen sein?“

Ja, Quellen! (Joh 4,44) Es ist nicht genug, dass wir Leben haben; wir sollen es überströmend haben (Joh 10,11; 7,37). Aber Christi Leben können nur die offenbar machen, die gestorben sind und deren Leben verborgen ist mit Christus in Gott (Kol. 3,3). In Jesaja 53,11 ist von dem Lamm gesagt: „Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen.“ Hier ist verborgene Arbeit und offenbare Frucht.

Die Lammesnachfolger können solche Arbeit tun, weil sie am liebsten verborgen sind und weil sie als Lammesnachfolger ein Herz haben, ein Hirtenherz. Was wir brauchen, sind solche Leute, die Seelenarbeit tun; diese geben unserer öffentlichen Arbeit den Halt, das Rückgrat und den Se­gen. Man merkt es einer Gemeinde bald an, wenn sie keine Beter hat. Es sagte mir jemand: „Ich wollte so gern für den Herrn etwas tun, aber ich bin taub und kann darum nicht mit den Leuten verkehren.“

Ich sagte: „Sprich zu deinem Gott von diesen Seelen, sprich zu ihm im Verborgenen, und er wird es dir vergelten öffentlich.“ Weißt du, wie das Lamm Samen bekam? Es gab sein Leben zum Schuldopfer (Jes. 53,10), d. h. es stellte sich unter die Schuld anderer und trug sie, als ob es seine Schuld wäre.  Esra, Nehemia und Daniel haben zwar nicht buchstäblich die Schuld des Volkes getragen, aber sie haben sich damit einsgemacht: Sie sprachen: „Wir haben gesündigt!“ Das ist Lammesart.

Als Lamm kann man jede Arbeit tun. Sie kennen keine niedrige Arbeit, weil sie alles, was sie tun, zu Gottes Ehre tun. Manche Tochter würde ihre Mutter schneller ge­winnen für Jesus, wenn sie, statt der Mutter immer wieder zu sagen, dass sie sich bekehren müsse, der Mutter die Stube aufwaschen und ihr das Geschirr spülen würde, um ihr so zu beweisen, was Bekehrung ist. Um große Dinge zu tun, haben wir Leute genug; aber wer will die kleinen Dinge tun? Fange an, die kleinen Dinge zu tun, und du wirst nicht nur genug Arbeit, sondern genug Segen finden.

In 2. Mose 12 lesen wir: „Jeder nehme ein Lamm für ein Haus“ Jedes von euch muss dafür sorgen, dass das Lamm in euer Haus kommt. Und wie geschieht das? Wenn ihr eurem Hause das Lamm lieb macht. Wie macht man das? Wenn man selbst als Lamm einhergeht. Der Lammessinn zieht an, und die Lammesnatur überwindet alles. Wir lesen in Jesaja 42 von dem Lamme: „Er wird nicht ermatten und nicht geknickt werden, bis er das Recht auf Erden gegründet hat“ Wie hat er das Recht gegründet? Nicht mit Worten, sondern mit einem Opfer; der, welcher Sünde nicht kannte, ließ sich für uns zur Sünde machen. Wie gründest du das Recht in deinem Hause? Wenn du dein eigenes Recht ohne Murren aufgeben kannst.

Ich kenne eine Witwe mit zehn Kindern, und alle ihre zehn Kinder sind zu Gott bekehrt. Ihr Haus ist ein Stück Himmelreich auf Erden. Hier hört man kein Schelten, kein Kommando, kein Murren; eines tut dem anderen, was es ihm an den Augen absehen kann. Wie ist das Recht gegründet worden in diesem Hause? Nicht mit Worten; denn die Mutter hat zu keinem ihrer Kinder gesagt: „Du musst dich bekehren!“ Sie machte ihrem Haus das Lamm lieb durch ihre Selbstverleugnung und Selbstlosigkeit. Ich gehe in dieses Haus, so oft ich kann, aber nicht um zu predigen, sondern um zu lernen.

O Gotteslamm, du warst für mich verachtet,

Als Lamm hast du den Mund nicht aufgetan.

Verspottet warst du und für nichts geachtet,

Gingst tief verkannt die dunkle Todesbahn.

O schließ mir auf den Lammessinn,

Zeig mir im Sterben herrlichen Gewinn!

G.St.


Artikelreihe: Der Weg dem Lamme nach

Der Weg, auf dem man zu einem Überwinder wird Der Weg des Friedens und der Ruhe

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